STÄGELI UF UND STÄGELI AB  oder

  

DIE TURNFAHRT 2017

  

 

Neuer Bus, neuer junger Chauffeur…und einige Teilnehmer, die an diesem Morgen ganz früh aus den Federn mussten, damit der Car nicht passagierlos die Grenze passieren musste. Freie Marktwirtschaft hin oder her. Das waren und sind nun einmal die Bedingungen! Wie im letzten Jahr haben sich auch an diesem Morgen 25 Mitglieder des TVT entschieden, am Zweitägigen teilzunehmen. Und alle – wie sollte es auch anders sein – waren pünktlich, sodass wir wie vorgesehen um 8 Uhr losfahren konnten. Kurz nach dem Start begrüsste uns Werner und wünschte allen eine gute Fahrt und zwei interessante Tage. Diesmal fuhr uns Thomas – so heisst der Chauffeur – nicht nach Norden oder Osten, sondern in südliche Richtung, zuerst einmal über Bern und Fribourg. Unterwegs gab es noch vom Schreibenden eine Kurzinformation über unseren Zielkanton Freiburg, in welchem wir nun 2 Tage verbringen werden. Unser erster Halt war Hauteville und dort die Auberge du Lion d’Or, wo wir draussen bei wolkenlosem Himmel das berühmte Kaffee/Gipfeli geniessen konnten.



Die Auberge besteht aus einem gepflegten, grossen, typischen alten Freiburger Haus und liegt an der Ostflanke des Greyerzer Sees. Von nun an galt es für einige, ihre Französisch-Hardware aus der Schublade zu ziehen, denn ab jetzt verbrachten wir 2 Tage im französisch sprechenden Teil unseres Landes. Nur noch ein Wort über das Znüni: diesmal wurde es von der Kasse übernommen. Wunderbar!

 

Nach einer ganz kurzen Fahrt ging es mit der ersten Wanderung los. Nach der Brücke nach Corbières schnallten wir unsere Rucksäcke an und wanderten eine gute Stunde dem Westufer des Sees entlang bis wir in der Nähe des Örtchen Morlon angekommen waren. Dort gab es den Apéritif so gegen 12 Uhr.


Trotz der Hitze ist es uns gelungen den „Weissen“ gekühlt aufzubewahren (im Bus gekühlt und auf dem Weg mit Zeitungspapier und Alufolien isoliert), dies zusammen mit dem Apéritif-Gebäck vom Hause Kambly. Alles eine wahre Delikatesse und dies direkt am Ufer des Sees. Wir hatten es nicht pressant, da wir im Restaurant „Le Gruyérien“ oben in Morlon erst um 13 Uhr erwartet wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt sind  wir vorwiegend im Schatten am Ufer des Sees gewandert.

Beim Aufstieg bis ins Dorf Morlon änderte sich diese Lage abrupt. Nicht wegen der Steilheit des Geländes an sich, sondern wegen der Sonne die erbarmungslos unsere Rücken (und andere Körperteile) zum Triefen brachte. Im Restaurant wurden wir kulinarisch überkompensiert. Das Essen schmeckte nicht nur ausgezeichnet, sondern stand auch qualitativ auf der oberen Seite.

 

Am Nachmittag begann der vorgeschobene Besuch bei den Chocolats Cailler in Broc. Dort waren wir für einen Rundgang um 16 Uhr angemeldet und wenn wir bis dahin in der schönen bedächtigen Natur weilen konnten, so holte uns die Zivilisation spätestens hier wieder ein.

Es ging zu und her wie in einem Bienenhaus. Mit Audiogeräten absolvierten wir den vorgesehenen Rundgang, während dem uns einiges über die Entstehung der Schokolade und ihrer Industriezeit im Greyerzerland erzählt wurde. Danach fuhr uns Thomas ins Hotel des Alpes in Bulle, wo wir vor dem Schoggi-Besuch gerade noch Zeit hatten, unsere Zimmer zu beziehen. 


Werner führte uns kurz vor dem Abendessen durch das etwa 25‘000 Einwohner zählende und  ansprechende Bulle. Man hatte für uns im Restaurant de l’Hôtel de Ville einen Saal reserviert. Draussen wäre es an diesem prächtigen warmen Abend zwar gemütlicher gewesen. Aber das liess sich nicht mehr ändern. Schade! Auch hier gab es keinen Grund, uns über die gute Mahlzeit zu beklagen.


Nach einem Schlummertrunk in der kühleren Abendluft von Bulle wurde es für die Helden des Tages Zeit ins Bett zu schlüpfen und Kräfte für den kommenden Tag aufzubauen.

 

Für viele von uns war es bedauerlicherweise ziemlich laut in der Nacht. Nach dem Frühstück bildeten sich zwei Gruppen: die Sportlichen – 20 an der Zahl – die sich für die Wanderung nach Charmey entschieden hatten


und die Gruppe, die sich nicht so in Form fühlte – 5 an der Zahl. Diese letzte Gruppe blieb im Bus, der nach Jaun fuhr. Dort konnten sie zum Beispiel jassen oder ihren Vormittag einfach frei gestalten. Auf diese Weise hatten auch diese Veteranen die Möglichkeit, am Zweitägigen teilzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt realisierte Alex, dass der wertvolle Käse, den er am Vortag gekauft hatte, sich noch immer im Kühlschrank des „Des Alpes“, statt im Kühlregal des Busses befand. Das zwang uns am Nachmittag zu einem Abstecher nach Bulle, um Alex‘ Trophäe abzuholen. Von Alex kann man wohl nach dieser Episode definitiv sagen, dass er nicht zu den begnadeten Morgenmenschen gehört!

 

 




Die andern 20 wanderten durch ein wildes Tal mit teilweise steilen Felswänden und sehr interessanten Steinformationen hinauf bis zur Staumauer.

Der Aufstieg wurde mit der Zeit etwas steiler und endete am Schluss mit über 100 Treppen oder Stege beim Lac de Montsalvens, wo wir alle schwitzend eine ausgiebige Pause einlegten.

Hugo Otte hatte sich durch einen kleinen Sturz leicht verletzt, konnte die Wanderung bald wieder ohne grössere Probleme fortsetzen.


Vor der Hängebrücke – ein Stück weiter – wäre eigentlich der Apéro geplant gewesen. Der Schreibende war offenbar in einem vertieften Gespräch verwickelt und wanderte an diesem Punkt vorbei. Wie dem auch sei, wir wurden etwas später überkompensiert, denn Werner hatte inzwischen zu Ohren bekommen, dass ein noch viel gemütlicherer Platz direkt am See vorhanden war und leer stand.


Dort konnten wir uns einen wahrhaftigen Panorama-Apéro zu Gemüte führen. Der Weg zum „Pâtissier de l’Hôtel Cailler“ – so heisst unser Restaurant in Charmey – war nun ganz kurz. Hier konnten wir zum ersten Mal draussen speisen.


Es fielen sogar einige vereinzelte Regentropfen, die uns dank dem Vordach und den Storen kaum störten. Charmey – mit diesem Namen – verbreitet durchaus einen gewissen Charme. Das Dorfzentrum ist noch beinahe authentisch geblieben. Es ist eine kleinere Station und es ist nur zu hoffen, dass es noch einige Jahre so bleiben möge.

Nach dem Essen – das auch hier nichts zu wünschen übrig liess – konnte man in einer lokalen Käserei noch Gruyère-Spezialitäten degustieren und selbstverständlich auch kaufen. Vorbildlich war Werners Einsatz als Käseschneider – wie man sieht hat man nie ausgelernt – der mithalf die Wartezeit der kaufenden Leimentaler zu verkürzen und gleichzeitig den Umsatz zu erhöhen.

 

Eine kurze Abstimmung, ob wir dem Dorf Gruyères noch einen Besuch abstatten wollten, zeigte schnell, dass dazu kaum noch Interesse bestand. Die meisten kannten das Dorf bereits. Dann brachte uns Thomas über den Umweg nach Bulle (Alex sei Dank!) auf die Autobahn, wo uns Werner noch ein kleines Bier aus dem Kühlschrank spendete. Vielen Dank. Von nun an fuhren wir auf direktem Weg nach Therwil, wo wir einige Minuten nach 18 Uhr gesund und munter eintrafen.

 

Es bleibt mir hier nur noch zu danken: erstens einmal Werner für seine wertvolle Zusammenarbeit bei diesem zu Ende gegangenen Projekt, dann Thomas für seine professionelle Tätigkeit am Steuer des Busses und last but not least Fredy Egli für die Pralinés von Cailler – wie sollte es auch anders sein – für Herta und Elsbeth, die auch – wenn auch nur am Rande – mit dem Abenteuer „Stägeli uf und Stägeli ab“ involviert waren.

 

 

Willy Lützelschwab